Bild vom Kind
Wir glauben, dass Kinder sich entwickeln wollen und dies selbst kompetent konstruieren. Jedes Kind findet dabei seinen eigenen Weg, den wir respektieren und ernst nehmen.
Kinder sind Forscher und Entdecker ihrer selbst und ihrer Umwelt. Dafür stellen wir ihnen unsere Empathie, Zeit, Raum und Material zur Verfügung. Um ihre natürliche Neugierde zu erhalten, bieten wir keine fertigen Lösungen an.
Damit sich Kinder optimal entwickeln können, sind Bindungs- und Beziehungsangebote unabdingbar. Wir nehmen wahr, wie jedes Kind in Beziehung tritt und versuchen, auf diese Ausdrucksform individuell einzugehen. Dafür bieten wir ihnen einen sicheren Rahmen an, in dem sie die Kita und die Fachkräfte als verlässlich, zugewandt und klar erleben. Wir nehmen ihre vielfältigen Gefühle ernst und spiegeln sie ihnen wider.
Uns ist bewusst, dass Kinder in unterschiedlichen Systemen (Familie, Einrichtung, Kulturen) aufwachsen, die wir wertschätzend anerkennen und respektieren.
Eingewöhnung
Unsere Grundannahme ist, dass Bildung ohne Bindung nicht möglich ist.
Deshalb arbeiten wir nach einem von uns erstellten Eingewöhnungskonzept auf der Grundlage von wissenschaftlichen Erkenntnissen aus den Berliner- und Münchner Eingewöhnungsmodellen, welches beständig reflektiert und weiterentwickelt wird.
Wichtig ist demnach die sanfte, schrittweise Eingewöhnung mit Unterstützung der Eltern (Bezugsperson). Die Eltern bieten ihrem Kind eine „sichere Basis“, eine intensive, gefühlsmäßige Bindung, aus der heraus das Kind den Schritt in den neuen Lebensabschnitt wagen kann. Wir lernen von den Eltern als Expert*innen ihres Kindes.
In der Zeit der Eingewöhnung werden die Eltern und das Kind intensiv durch die pädagogischen Fachkräfte begleitet. Sie machen die Familie mit den Strukturen und Abläufen innerhalb der Kita vertraut und bauen schrittweise eine verlässliche Beziehung zum Kind auf, so dass sie am Ende der Eingewöhnungszeit als Bezugspersonen akzeptiert werden.
Kinderrechte in der Kita
Im Jahr 1989 wurde die UN-Kinderrechte-Konvention beschlossen. Dieses Dokument erkennt die besonderen Schutz-, Fürsorge- und Beteiligungsbedarfe von Kindern weltweit an und formuliert sie in geltendes Recht. Wir sehen es als unseren Auftrag die Kinderrechte in unserer Kita zu vermitteln, zu wahren und zu stärken. Sie dienen uns als Kompass für unser pädagogisches Handeln und als Grundlage in der Zusammenarbeit mit den Familien. Auch definieren wir uns als Fürsprecher der Kinderrechte auf gesellschaftlicher und politischer Ebene. Dazu verschaffen wir Kindern Gehör, rücken die Kinderrechte ins allgemeine Bewusstsein und setzen uns über unsere Kita hinaus für die Stärkung der Kinderrechte ein.
Zum Anhören von den Kinderinterviews zur den einzelnen Kinderrechten einfach auf die einzelnen Bilder klicken.












Wenn ich nur darf, wenn ich soll,
aber nie kann, wenn ich will,
dann mag ich auch nicht, wenn ich muss.
Wenn ich aber darf, wenn ich will,
dann mag ich auch, wenn ich soll,
dann kann ich auch, wenn ich muss.
Denn schließlich:
Die können sollen, müssen wollen dürfen
Johannes Conrad
Deutscher Satiriker und Schriftsteller
Partizipation & Demokratiebildung
Partizipation von Kindern bedeutet, Kinder an Entscheidungen, die ihr eigenes Leben und das der Gemeinschaft betreffen, zu beteiligen und gemeinsame Lösungen für Probleme zu finden. Partizipation ist ein Selbstbildungsprozess, in dem Kinder (und Erwachsene) lernen ihre Wünsche und Bedürfnisse zu äußern und auszuhandeln. Grundlage all unserer partizipatorischen Prozesse ist es, die Kinder zu beobachten, Signale wahrzunehmen und zu verstehen, d.h. die Sensibilisierung der eigenen Wahrnehmung für kindliche Ausdrucksformen.
Partizipation, demokratische Grundsätze und die Kinderrechte [1] prägen unser Miteinander. Sie sind Teil unseres Kita-Alltags und dienen als Kompass für unser pädagogisches Handeln. Gemeinsam und jede*r für sich reflektieren wir unsere Interaktionen mit den Kindern. Eine offene Feedback- und Konfliktkultur sowie Fehlerfreundlichkeit sind für uns Basis für Weiterentwicklung, Qualitätssicherung und aktiven Kinderschutz. Wir streben eine offene, wertungsfreie und feinfühlige Haltung an, die die Kinder dazu ermutigt Ideen, Wünsche, Bedürfnisse und Kritik zu äußern. Die pädagogischen Fachkräfte nehmen die Signale der Kinder ernst und begegnen ihren Äußerungen wertschätzend. Dadurch werden die Teilhabe und Mitbestimmung der Kinder ganz automatisch in den Alltag integriert.
Durch die Beobachtung und Wahrnehmung kindlicher Ausdrucksformen, kann das pädagogische Personal gezielt auf Bedürfnisse der Kinder eingehen, so dass der Lernprozess des Kindes zur demokratischen Teilhabe von den Fachkräften gefördert und aktiv unterstützt wird. Gerade jüngere Kinder lernen durch die feinfühlige Haltung der Fachkräfte, Bedürfnisse zu formulieren und einzufordern, wodurch Selbstständigkeit und Eigenverantwortung gefördert werden.
Nicht selten kommt es zwischen einzelnen Bedürfnissen und Rechten zu sogenannten Dilemmata. Ein gutes Beispiel ist die Kleiderwahl. Hier steht das Recht auf Selbstbestimmung dem Recht auf Fürsorge gegenüber. Die Grenzen der (Mit-)bestimmung sind dann erreicht, wenn die Gesundheit oder Sicherheit des Kindes beeinträchtigt, oder die Grenzen anderer überschritten werden könnten. Hierzu gehen wir als pädagogische Fachkräfte mit dem Kind in den Reflexionsprozess und entwickeln gemeinsame Lösungen. Es ist uns wichtig die einzelnen Bedürfnisse zu benennen und ernst zu nehmen. Wir als Erwachsene übernehmen klare Verantwortung für den Schutz, Sicherheit und die Wahrung von Grenzen.
Weiterführende Informationen
[1] Weiterführende Informationen Kinderrechte: https://www.unicef.de/informieren/einsatz-fuer-kinderrechte
Zusammenarbeit mit den Eltern
Ihr als Eltern vertraut uns euer Kind zur Betreuung, Bildung und Erziehung an. Um alle Systeme zum Wohle des Kindes in Beziehung treten zu lassen, ist uns eine aktiv gestaltete Erziehungs- und Bildungspartnerschaft wichtig. Grundsätzliche Voraussetzungen sind die Transparenz von Erziehungsvorstellungen und die gemeinsame Auseinandersetzung mit Unterschiedlichkeiten. Wir achten darauf, dass ihr euch mit euren Erwartungen, Hoffnungen und Befürchtungen verstanden und gut aufgenommen wisst. Durch eine offene, freundliche und wertschätzende Begegnung wollen wir zur Entstehung einer vertrauensvollen Atmosphäre beitragen.
Um gemeinsame Ziele zu erreichen, sehen wir euch Eltern als Expert*innen für eure Kinder an und binden bewusst die Ressourcen eures Familiensystems ein. Bei Bedarf vermitteln wir professionelle Unterstützung, z.B. Logopädie, Frühförderung, Integrationsmaßnahmen usw.
Als Eltern könnt ihr euch in allen Bereichen unserer Arbeit engagieren und gern nach Absprache hospitieren. Wir legen besonderen Wert auf Transparenz und ein vertrauensvolles Miteinander. Über unsere Kita-App (FamlyApp) nehmen wir die Familien regelmäßig mit in den Kita-Alltag und geben Einblicke in unsere Arbeit. Bei gemeinsamen Festen, Aktionen und Veranstaltungen schaffen wir Zeit und Raum für Austausch und Information.
Tagesablauf
Durch unser offenes Konzept haben die Kinder die Möglichkeit ihren Tag größtenteils vollständig individuell zu gestalten. Sie bewegen sich frei durch die (geöffneten) Räume und wählen aus den (anwesenden) Kindern und Erwachsenen ihre Herzensmenschen aus. Es werden durch die unterschiedlichen Räume, Materialien und Angebote verschiedene Sinne und Themen angesprochen. Die Kinder wählen für sich aus, ob sie teilnehmen oder für sich sein möchten, ob sie entspannen oder toben möchten. Im ganzen Haus begegnen ihnen zugewandte Erwachsene, die sie jederzeit ansprechen können.
Beispiel 1: Morgenkreiszeit
In zwei Räumen werden unterschiedliche Morgenkreise angeboten. Viele Kinder suchen sich einen Platz ihrer Wahl in einem der Morgenkreise, der ihnen gefällt oder wo ihre Herzensmenschen sind. Einige Kinder sind vertieft in ihr Bastel-Projekt. Ein paar andere wollen Fußballspielen. Alles ist möglich, da genug Räumlichkeiten vorhanden sind und sich die Fachkräfte entsprechend der kindlichen Bedürfnisse aufteilen.
Beispiel 2: Mittagszeit
Ein Kind wird während der Mittagszeit von einer Fachkraft angesprochen: „Warst du schon beim Essen?“ Kind: „Nein. Ich möchte nicht.“ PFK: „Magst du mir sagen, warum nicht?“ Kind: „Es ist mir zu laut.“ PFK: „Mmh… möchtest du vielleicht später, ganz am Ende essen? Dann ist es ruhiger.“ Kind: „Weiß ich nicht.“ Etwas später – am Ende der Mittagszeit – lädt die Fachkraft das Kind nochmal ein. Gemeinsam gehen sie ins Kinderrestaurant. Dort sitzen nur noch wenige Kinder. Das Kind schaut sich um und setzt sich zum essen in eine Sitznische.
Es ist uns wichtig gemeinschaftliche Situationen (z.B. Morgenkreis, Mahlzeiten, Ausflüge) positiv zu gestalten. Grundlage ist für uns hierbei die Zustimmung/Freiwilligkeit/Kooperation des Kindes. Wir sind davon überzeugt, dass Zwang (alle Kinder sitzen jetzt still, alle Kinder gehen jetzt raus, etc.) Vertrauen und Beziehung stört. Daher sind unsere gemeinschaftlichen Situationen geprägt von Freiwilligkeit und Partizipation. Ein Beispiel ist der Morgenkreis. Es finden verschiedene Morgenkreis-Angebote statt. Die Themen richten sich nach den Interessen der Kinder. Sie werden den Kindern angekündigt, so dass sie entscheiden können zu welchem Kreis und ob sie überhaupt zu einem Kreis gehen wollen. Innerhalb des Kreises gestalten die Kinder ebenfalls aktiv mit, was und wie sie etwas machen wollen. Dabei achten wir darauf, dass die Regeln, auf die wir uns in der Gemeinschaft geeinigt haben, eingehalten werden (z.B. wenn einer redet, hören die anderen zu oder sind leise). Den Kindern ist es wichtig, gehört und gesehen zu werden. Auch das Mitgestalten ist vielen wichtig. Dies wird deutlich anhand der Beteiligung und dem Einbringen von Ideen. Den Kindern ist es wichtig entscheiden zu können, ob sie an einer Gemeinschaftssituation teilnehmen wollen oder nicht und dass diese Entscheidung ernst genommen wird. Häufig hat sich gezeigt, dass allein über die Akzeptanz einer Entscheidung/eines Neins (ich will nicht mit zum Ausflug), die Kooperationsbereitschaft in anderen Situationen (jetzt musst du mit, weil du nicht alleine hierbleiben kannst) wächst.
Für weitere Infos lest unsere FAQs zum Offenen Konzept.
Konzeption zum Download
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